Hintergründe

oberlindhart

Oberlindhart, Neufahrn, Ergoldsbach und Mallersdorf

26.10.2015

Der historische Hintergrund

Ergoldsbach und Umgebung 1933-1945

Alltag

Donnerstag, 26.04.1945
Nachmittags Ein Zug von 150 bis 200 jüdischen KZ-Häftlingen und etwa 10 bis 30 SS-Leuten erreicht Oberlindhart. Der Zug ist nun fast drei Wochen unterwegs, seit er das KZ Buchenwald verlassen hat.
16:30 Uhr SS beschlagnahmt dort im Bauernhof Kreszenz Schmalzl die Scheune sowie Lebensmittel.
Die Bewacher übernachten im Haus der Familien Schmalzl und Rottmeier. Im Laufe der Nacht gelingt einigen Häftlingen die Flucht.
Freitag, 27.04.1945
01:30 Uhr Wehrmachtspioniere sprengen die 200 Meter entfernte Laberbrücke. Die SS vermutet US-Truppen und bricht mit den Häftlingen Richtung Neufahrn/Landshut auf. 20-40 Häftlinge verbergen sich im Stroh des Stadels oder flüchten in den nahen Wald und in die Huber-Mühle. Drei der Flüchtenden werden noch auf dem Hof von der SS erschossen.
9:00 Uhr Der Gendarmerie-Postenführer Josef Kimmerling begegnet in Neufahrn drei schwer bewaffneten Mitgliedern der SS-Wachmannschaft, die in Oberlindhart nach den entflohenen Juden gesucht hatten. Dabei erfährt er, dass er solche Flüchtlinge sofort zu töten habe, andernfalls werde er selbst erschossen.
Mittags Kimmerling berät mit dem Gendarmerie-Kreisführer in Mallersdorf und dem stellvertretenden Landrat, wie mit den Häftlingen in Oberlindhart zu verfahren sei. Kimmerling entschließt sich zu einer Rettungsaktion auf eigene Faust.
14:30 Uhr Kimmerling und sein Mitarbeiter Diermeier holen im Anwesen Schmalzl sieben Häftlinge ab. Diermeier erhält den Befehl, diese nach Mallersdorf zu überführen.
16:00/17:00 Uhr Der Ergoldsbacher Postenführer Max Mauerer fährt mit dem Motorrad Richtung Neufahrn, sieht SS mit KZ-Häftlingen in die selbe Richtung gehen. Er hält nicht an, da er die Brutalität der SS fürchtet.
17:30 Uhr Die geschwächten Häftlinge kommen gemeinsam mit Diermeier in Pfaffenberg an und werden weiter nach Neufahrn transportiert. Dort übernachten sie in der Arrestzelle.
Unterwegs trifft Kimmerling auf zwei weitere entflohene KZ-Häftlinge. Er verspricht ihnen, sie zu retten.
Samstag, 28.04.1945
Vormittags Kimmerling lässt aus Oberlindhart vier weitere Häftlinge abholen. In seiner Obhut befinden sich nun 13 Personen. Sein Ziel ist Ergoldsbach.
nach 18:00 Uhr Kimmerling und Maurer vereinbaren, die Häftlinge zu verstecken. Kimmerling führt die Häftlinge nach Prinkofen, Maurer fährt voraus und bringt die Häftlinge auf den Hof der Familie Gnadl.
Anna Gnadl bietet sofort die Scheune als Versteck an und bringt Verpflegung. Maurer lässt die Häftlinge ohne Bewachung zurück. Er bittet die Männer, sich vor der SS versteckt zu halten und kündigt die nahende Befreiung durch US-Truppen an.
Nachts Drei SS-Männer übernachten auf dem Gnadl-Hof, ohne die Häftlinge zu bemerken.
Sonntag, 29.04.1945
7:00 Uhr Die amerikanischen Truppen rücken in Ergoldsbach ein.
Die 13 Menschen in der Gnadl-Scheune sind gerettet.

gnadl_scheune

Gnadl Scheune

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Schmalzl Scheune